Annelise Folie ist seit 2007 als Konservatorin der Paläontologischen Sammlungen tätig, und ist seit 2016 Konservatorin ad interim der Sammlung der modernen Wirbeltiere. „Ich gehöre zur Jurassic Parc-Generation“, sagt Annelise. Diese Megaproduktion von Steven Spielberg aus dem Jahre 1993 hatte in den neunziger Jahren zahlreiche Jugendliche fasziniert. „Diese Faszination hat mich, bis ich 18 war, nicht mehr losgelassen. Deshalb habe ich auch Geologie in Namur und Brüssel studiert“. 2001 wurde Annelise im KBIN eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin angeboten. Dort schrieb sie auch ihre Master- und ihre Doktorarbeit, die sie 2006 verteidigte. 

Konservatorin Annelise Folie
Paläoherpetologin

Seit 2001 ist Annelise auf Paläoherpetologie und insbesondere auf die Erforschung fossiler Eidechsen, Schlangen, Frösche und Salamander spezialisiert. Zunächst wurde ihr angeboten, sich mit Exemplaren aus dem Maastrichtium (Oberkreide), die in Siebenbürgen (Rumänien) gefunden wurden, zu befassen. Anschließend beschäftigte sie sich mit aus Belgien stammenden Exemplaren aus dem Unterpaläozän, um die Auswirkungen des „Kreide-Tertiär-Massensterbens“ auf die herpetologische Fauna in Europa zu untersuchen. Derzeit erforscht Annelise die Fauna ab dem Ende der Kreidezeit bis zum Oligozän (vor 66 bis 34 Millionen Jahren).

Belgien: eine unbekannte Fauna voller Rekorde

Wenn die „Herpeto-Dinger“ wie Annelise und ihre Kollegen sie gerne nennen, auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, dann liegt das vor allem daran, dass sie weithin unbekannt sind! Ende 2013 „gründete“ Annelise in einem in der Zeitschrift Geologica Belgica erschienenen wissenschaftlichen Artikel auf Grundlage von Exemplaren, die im Unterpaläozän Belgiens (vor etwa 62 Millionen Jahren) entdeckt wurden, eine neue Familie von Doppelschleichen. Es handelt sich hierbei um apode (fußlose) Eidechsen, deren Kopf und Schwanz sich ähneln. Werden diese Eidechsen angegriffen, richten sie gleichzeitig beide Extremitäten des Körpers auf, damit der Feind nicht weiß, von welcher Seite er sie angreifen soll. Annelise: „Es sind wirklich faszinierende Tiere. Der älteste Vertreter dieser Gruppe besitzt pro Halbkiefer 12 Zähne dort, wo die heutigen Doppelschleichen nur 5 oder 9 Zähne haben“. 

Left: scolecophidien vertebrate found in Hainin (Belgium). Right: Scolecophidien around a thumb

2014 bereitet Annelise einen neuen Artikel vor, der sich dieses Mal mit den Blindschlangenartigen (Scolecophidia) befasst. Hinter diesem merkwürdigen Namen verbirgt sich eine sehr primitive, kaum 10 cm lange Mini-Schlange, die wie ein Regenwurm aussieht und lebt. Auch hier stammt der älteste Vertreter dieser Art aus Belgien!

Globetrotter

Da Annelise gleichzeitig für zwei Aufgabengebiete zuständig ist (Verwaltung der Paläontologischen Sammlungen und Paläoherpetologie), wurde ihr bereits häufig die Gelegenheit geboten, im Rahmen von Ausgrabungen, die von ihren Paläomammalogen-Kollegen organisiert wurden, an internationalen Expeditionen teilzunehmen, die sie schon nach Siebenbürgen (Rumänien), Wyoming, China und Indien geführt haben. „Jede Expedition ist eine einzigartige, aus menschlicher Sicht bereichernde Erfahrung. Wir sehen Regionen, die Touristen niemals zu sehen bekommen, und wir dringen in die Tiefen dieser Regionen ein. Es ist ein bisschen so, als wenn man hinter die Kulissen des Instituts schaut“. 

Konservatorin Annelise Folie zeigt die neuen Rollregalsysteme
Umzugsexpertin

Von 2003 bis 2009 wurde der Janlet-Flügel (Paläontologie-Gebäude), in dem sich jetzt die Dinosaurier-Galerie, die Evolutionsgalerie, aber auch ein Großteil der Paläontologischen Sammlungen befinden, weitgehend umgestaltet. In dieser Zeit wurden rund 16.000 Kästen in andere Räume gebracht, um sie zu schützen. 2007 war eine der ersten Aufgaben, für die Annelise als Konservatorin der Sammlungen verantwortlich war, die Einlagerung dieser 16.000 Kästen (ungefähr 1.150 m3) in die fünf riesigen Rollregalsysteme, die im Untergeschoss des Janlet-Flügels neu installiert wurden, zu organisieren und zu koordinieren. Dies war eine ziemliche Herausforderung, denn im Zuge der Renovierungsarbeiten musste schnell gehandelt werden, wobei zahlreiche technische Probleme zu lösen waren. Am Anfang war es noch nicht möglich, alle Kästen direkt an ihren endgültigen Platz zu räumen. Deshalb werden im Flügel noch immer jedes Jahr mithilfe einer Umzugsfirma oder Aushilfen Umräumaktionen vorgenommen, damit die Kästen dorthin kommen, wo sie gemäß dem neuesten Sammlungslageplan vorgesehen sind. 

 

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