Die Paläontologischen Sammlungen mit ihren derzeit über 3 Millionen Fossilien, bei denen es sich hauptsächlich um Wirbeltiere, Wirbellose und Pflanzen handelt, zählen zu den ältesten und in Bezug auf die systematischen Gruppen und die Größe der Exemplare zu den vielfältigsten Sammlungen des Instituts. Die Palette reicht hierbei von Fossilien, die kleiner sind als eine Zelle (Nanofossilien), bis hin zu Riesenfossilien wie Dinosaurier oder Wale. Die Verwaltung dieser Sammlungen kommt deshalb oftmals einem Kampf zwischen David und Goliath gleich.

Das 1860 entdeckte Mammut von Lierre wird von Präparator Louis F. De Pauw zusammengesetzt.

Gegenwärtig besitzt das Institut zur Aufbewahrung seiner Exemplare etwa 35.000 Kästen, die einerseits in vier Schrankwänden mit insgesamt 1.000 Schränken und andererseits in fünf riesigen Regalsystemen mit 132 Rollregalen (Höhe 3,60 m) gelagert werden. Daneben steht für die größten Exemplare (Mosasaurier, Iguanodons, Säugetiere aus dem Quartär, …) eine Regalwand mit Palettenregalen zur Verfügung.

 

Vier Bereiche

Die Paläontologischen Sammlungen sind von jeher in vier übergeordnete Bereiche gegliedert: Fossile Wirbeltiere (VF), Wirbellose aus dem primären Zeitalter (IP), Wirbellose aus dem sekundären und tertiären Zeitalter (IST) sowie Paläobotanik und Mikropaläontologie (Pbot-Mpal). Innerhalb dieser Bereiche sind die Exemplare nach systematischen Gruppen (Fische, Schnecken, …) und weiter nach stratigrafischen Aspekten (Paläozoikum, Ypresium, …) oder auch nach Sammlungen (Stockmans, Marquet, Maillieux, Dupont, …) geordnet.

 

 

Alte Schrankwand mit Kästen	(links) und neue Rollregale mit Kästen (rechts).

Neben den allgemeinen Sammlungen mit neuen, noch nicht untersuchten Exemplaren besitzt das Institut aktuell etwa 40.000 sogenannte „typisierte und verzeichnete“ Exemplare. Es handelte sich hierbei um Referenzexemplare, die von Forschern in Forschungsartikeln präsentiert wurden.

Regelmäßig kommen Forscher aus der ganzen Welt, um die Paläontologischen Sammlungen des KBIN in Augenschein zu nehmen. Im Durchschnitt besuchten uns seit 2007 pro Jahr 33 Besucher aus 21 Ländern, darunter Brasilien, Japan oder auch Neuseeland. Manche bleiben nur einen Tag, andere wiederum einen Monat. Damit kommt das Institut auf rund 119 Besuchstage pro Jahr (etwa 50% der Arbeitszeit).

Interessant ist, dass es Exemplare gibt, die in bestimmten Jahren „in Mode“ sind. So statteten uns die Forscher 2009 vor allem wegen unserer berühmten Iguanodons von Bernissart einen Besuch ab. 2012 standen hingegen unsere Mosasaurier im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. 

Links: Kiefer eines fossilen Fischs, der aufgrund der Zersetzung des Pyrits auseinandergebrochen ist. Rechs: dasselbe Fossil nach der Restaurierung.
Narrengold

Der Konservator und seine Mitarbeiter müssen die Fossilien stets im Auge behalten, denn es besteht die Gefahr, dass der Pyrit sich zersetzt.

Pyrit (Eisensulfid – FeS2), der in den Ritzen einiger Fossilien zu finden ist, welche reich an organischen Stoffen sind, reagiert mit Wasser und Sauerstoff und wird dadurch zu Eisensulfat (FeSO4) umgewandelt. Da diese Verbindung ein größeres Volumen als Eisensulfid besitzt, kann das Fossil aufgrund dieses größeren Volumens zerbrechen oder gar zerbersten. Bei dieser Reaktion wird außerdem Schwelsäure gebildet, die das Fossil zersetzt und auch am Papier der Etiketten und den Aufbewahrungskästen „nagt“. Für Fossilien, die Pyrit enthalten, gelten deshalb besondere Aufbewahrungsbedingungen, zum Beispiel eine Luftfeuchtigkeit, die vorzugsweise unter 30% liegt, jedoch niemals höher als 50% sein darf.

Dieses Mineral, das in der Natur in Form gelber Würfel vorkommt, ist auch unter dem Namen ‚Narrengold‘ bekannt. Denn schon so mancher Goldgräber hat es mit Goldnuggets verwechselt und sich dadurch zum Narren gemacht. 

Vollständiges Skelett eines Hainosaurus in unserem Mosasaurier-Saal
Teilnahme an Ausstellungen

Neben diesen wissenschaftlichen Forschungsaktivitäten, mit denen sich ausschließlich Experten befassen, werden die Fossilien des KBIN oftmals auf Dauer- oder Wanderausstellungen in Belgien oder andernorts zur Schau gestellt. Im Folgenden einige Beispiele für Ausstellungen, in die das KBIN eingebunden war, sowie für einige Vorzeigeexemplare, die auf diesen Ausstellungen präsentiert wurden.

 

 

1. Dauerausstellungen des KBIN

  • Dinosaurier-Galerie (2007): Iguanodons von Bernissart
  • Saal ‚250 Jahre Naturwissenschaften‘ (2008): Skelett eines Wals
  • Evolutionsgalerie (2009): Fische, Schlangen, Schildkröten, Krokodile, Vögel und kleine Säugetiere aus der Grube Messel
  • Mosasaurier-Saal (2014): Vollständiges Skelett eines Hainosaurus

 

2. Wanderausstellungen im KBIN

  • Wale und Delfine (2008): zwei Schädel von fossilen Delfinen

  • Prähistorie Do-it-yourself (2012): zwei Schädel von fossilen Hunden
  • Gehirnfest (2014): Schädelabguss eines Dinosauriers

 

3. Wanderausstellungen in Belgien

  • Prehisto Han: „Speleogame“-Gebäude, Domäne der Grotten von Han (2012): 5 Säugetiere aus dem Quartär auf einem Metallgestell

  • Le passé comme si vous y étiez. Benoît Clarys, 25 ans d’illustrations archéologiques: Malgré-Tout-Museum, Treignes (2014): Mammut von Hoboken (seit den 1970er Jahren nicht mehr Teil der Dauerausstellung des Museums und in seine Einzelteile zerlegt)

 

4. Sonderausstellungen im Ausland

  • Dans l’ombre des dinosaures: MNHN Paris, Frankreich (2008): 11 Exemplare aus der Grube Messel
  • Weltausstellung Shanghai: Shanghai, China (2010): 1 Schädel eines Mosasaurus auf Gestell
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